La Maigrauge

Monastère de religieuses de l'Ordre de Cîteaux
fondé en 1255, restauré en 1637, 1662 et en 1901


 
      

JUBILE DE LA MAIGRAUGE

Die Gemeinschaft der Zisterzienserinnen der Abtei Maigrauge (Magerau)
750 Jahre nach ihrer Gründung

Conférence de presse de Mère Abbesse Gertrude Schaller
Juin 2005

Heute darf ich Frau Núria Delétra-Carreras herzlich und öffentlich danken für ihr grossartiges Werk, nämlich ihr Buch "L'Abbaye de la Maigrauge, 1255-2005, das die 750-jährigen Existenz unserer Abtei wissenschaftlich fundiert in einem flüssigen Stil darstellt. Über vier Jahre lang hat sie sich nämlich mit allen Kräften des Geistes, des Leibes und des Herzens dafür eingesetzt. ....

Ein Abt erzählte mir von Touristen, die sein Kloster besuchten, dass sie den Mönch, der die Führung machte, fragten, ob er ein richtiger Mönch sei. Sie hätten nicht gewusst, dass es heute noch  Mönche gäbe. Es ist ja wirklich nicht selbstverständlich, dass im 21. Jh. Frauen und Männer in historischen Gebäuden leben, die von einem Lebensstil zeugen, der in offensichtlichem Gegensatz zu jenem der meisten Leute von heute steht. Unsere monastische Lebensweise wird ja wirklich von anderen Werten geprägt als jenen, die unsere Gesellschaft leiten. Das Leben unserer Gemeinschaft lebt von ihrer ständigen Beziehung zur wirklichen und treuen Gegenwart Gottes in Jesus Christus. Diese Gegenwart bestimmt den Rhythmus unserer Tage und Monate. Auf sie möchten wir uns ständig beziehen und ausrichten; auf diese beständige, lebendige treue Gegenwart möchten wir mit der Treue der Liebe antworten.

Auch unsere Gemeinschaft in der Maigrauge lebt am Schnittpunkt von Zeit und Ewigkeit. Wir erfahren gleichzeitig die persönliche und gemeinschaftliche Verwurzelung in etwas was ausserhalb von Zeit und Raum ist, unsere Verwurzelung in dieser unsichtbaren, hervorquellenden  Gegenwart des Ewigen. Und gleichzeitig erfahren wir die schnell verfliessende Zeit und ihre Vergänglichkeit. Die  Zeiten des gemeinsamen und persönlichen Gebetes bestimmen unseren Tageslauf und  stellen uns in die Perspektive des Ewigen, in diese göttliche Freundschaft, die sich uns jederzeit darbietet und zur Begegnung bereit ist mit uns und allen, die wir in uns tragen und bergen.

Obschon wir hier im Kloster in Abgeschiedenheit leben, sind wir doch Teil der heutigen Gesellschaft. Wir haben zu erarbeiten, was wir zum Leben brauchen, indem wir für die Pfarreien Hostien (Altarbrote ) backen, einen Gemüsegarten bebauen, in unserem Klosterladen Eigenprodukte verkaufen,  insbesondere das bekannten Eau Verte, und ab heute auch das neu erschienene Buch über die Maigrauge. Ebenfalls beherbergen wir  Gäste. Auch für uns wird das Leben immer komplexer durch die überschnelle technologische Entwicklung, das ständig überholte Wissen und Können, die immer kompliziertere soziale und wirtschaftliche Organisation. Doch freuen wir uns auch über die technischen Verbesserungen, die das Leben erleichtern.

 

Während der 40 Jahre meines Lebens in der Maigrauge hat sich ungeheuer viel verändert. Ich musste eine lange Zeit von 17 Jahren ohne Neueintritte erleben. Seit den 80-er Jahren haben dann wieder junge Frauen den Schritt gewagt. In dieser Zeit sind aber auch die zahlreicheren älteren Generationen verstorben. So sind wir heute 15 Schwestern, wovon eine noch nicht endgültig gebundene und eine beginnende Postulantin. Die Beziehungen untereinander haben sich zu grösserer Offenheit, Dialog und Zusammenarbeit hin entwickelt.

In meinen ersten Klosterjahren heizten wir noch unsere Kachelöfen mit Holz und versuchten uns warm zu halten mit mehreren Wollschichten auf dem Leib. Die Zentralheizung, die 1970 eingebaut wurde, befreite uns von einer harten Askese. Darauf folgte die Einrichtung zeitgemässer sanitärer Anlagen. Seither erfreuen wir uns angenehmer Duschen. 1977 erwarben wir eine automatische Hostienbackmaschine. So stellen wir in einem einzigen Tag her, wofür wir früher unter grossem Kraftaufwand über eine Woche brauchten. Unsere alten und pflegebedürftigen Schwestern lebten in kleinen Zellen ohne sanitäre Einrichtungen. Nun können sie in schönen Krankenzimmern mit den nötigen Einrichtungen gepflegt werden.

Früher lebten wir eine materiell sehr viel radikalere Trennung von der Welt. Weil aber immer mehr Menschen um Gastfreundschaft bitten, um sich in die Stille zurückziehen zu können, Abstand zu bekommen vom Alltag, ins Gebet einzutauchen, ihr Leben neu auszurichten, haben wir die frühere Wohnung des Spirituals, die sog. Aumônerie, und das Kornhaus für sie als Kloster-Gästehaus restauriert und umgebaut.

Natürlich mussten auch wir Computer anschaffen, diese wunderbaren Arbeitsinstrumente, die das Leben aber auch komplizierter machen und uns vor neue Fragestellungen und neue Entscheidungen stellen.

Unsere Kirche haben wir geöffnet für alle, die an unserem gemeinsamen Gebet teilnehmen wollen und ebenfalls für Leidende, die Frieden und Trost suchen. Dies wurde durch eine sehr schwierige Restauration in zwei Etappen erreicht. Die wiedergewonnene nüchterne Schönheit und die Gemeinschaft im Gebet mit vielen bekannten  und unbekannten Menschen ist ein beglückendes Resultat.

Wie Sie sehen,  ist eine dauernde Anpassung an die Bedürfnisse der konkreten Menschen unserer Zeit notwendig, damit das 750-jährige Kloster ein Ort des Lebens bleibt, immer auch ausgerichtet auf und verwurzelt in der ewigen Gegenwart, die keiner Vergänglichkeit unterworfen ist.

Im Jubiläumsjahr feiern wir die Treue der Gegenwart Gottes in der Magern Au und die Treue der Frauen, die einander die Flamme der Liebe weitergegeben haben, um auch im Namen ihrer jeweiligen Zeitgenossen für diese Gegenwart ihr Leben hinzugeben. Die Ausstellung, die Sie im restaurierten Raum der Gründerinnen sehen werden, möchte diese Generationen von Zisterzienserinnen, die uns vorausgegangen sind, ehren.

___________________________________________________________________________
Abbaye cistercienne de la Maigrauge

Chemin de l'Abbaye 2, CH - 1700 Fribourg
Tel : ++41 26 309 21 10 - Fax : +41 26 309 21 15
www.maigrauge.ch   -   info@maigrauge.ch