Bernhard von Clairvaux,
der grösste unter den geistlichen Meistern des Zisterzienserordens
Dieser grosse heilige Zisterziensermönch, Abt von Clairvaux, hinterlässt uns ein reiches geistliches Schrifttum. Man nennt ihn Doctor mellifluus, einen honigfliessenden Lehrer (Honig war im Mittelalter das einzige Mittel, um die Nahrung zu versüssen und darum sehr kostbar).
Ganz sicher: "Gott allein sei Ehre und Herrlichkeit!" Aber keines von beiden wird Gott annehmen, wenn es nicht mit dem Honig der Liebe gesüsst ist. Die Liebe ist durch sich selbst genug, sie gefällt durch sich selbst und wegen sich selbst. Sie ist sich selbst Verdienst und Belohnung. Die Liebe verlangt ausser sich selbst keinen Grund und keine Frucht. Ihre Frucht ist ihr Genuss. Ich liebe, weil ich liebe. Ich liebe, um zu lieben. Etwas Grosses ist die Liebe, aber nur wenn sie zu ihrem Urgrund zurückkehrt, wenn sie sich ihrem Ursprung wieder schenkt, wenn sie zu ihrer Quelle zurückfliesst und von ihr immer empfängt, wovon sie ständig strömen kann. Von allen Kräften, Sinnen und Gefühlen der Seele ist es allein die Liebe, durch die das Geschöpf, freilich nicht gebührend, dem Schöpfer antworten, oder wenigstens von Ähnlichem ein Gegegeschenk machen kann.
Bernhard von Clairvaux aus der 83. Predigt über das Hohelied